Malta: Ein intelligenter Urlaub und ein Goldschatz

Wer sich als Erwachsener für Sprachferien auf der kleinen Mittelmeerinsel entscheidet, verbessert sein Englisch in Windeseile und fühlt sich urplötzlich um Jahre jünger. Beides soll ja kein Nachteil sein.

Ein Geräusch aus dem Nebenzimmer holt mich nachts jäh aus dem Schlaf. „What’s that?“, ist mein erster Gedanke. Wie bitte? Habe ich nun tatsächlich auf Englisch gedacht? Das ist ja sensationell: Nun bin ich gerade mal zwei Tage auf Malta, um mein Englisch zu polieren, und schon werkelt mein 

Gehirn in der für mich ungewohnten Sprache. Mehr noch: Mir wird bewusst, dass ich soeben auch auf Englisch geträumt habe. Ich kann mich zwar nicht mehr an den Inhalt erinnern, aber es war ein Traum in englischer Sprache – ohne Untertitel!

 

Ray, mein Sprachlehrer, staunt. Normalerweise beginnen Studenten frühestens nach einer Woche englisch zu denken, von englischen Träumen hat er noch nie gehört. Doch schon geht er über zur Tagesordnung – immerhin bin ich auf Malta, um in einem Crashkurs mein verrostetes Englisch aufzupolieren: Grammar, Business English, Presentation, Emphasis, Prepositions und conversation stehen am Stundenplan.

 

Meine Schulzeit ist mehr als 20 Jahre her, Schulbank drücken, Lehrer lauschen, konzentriert aufpassen und mitarbeiten: All das ist für mich sehr weit weg. Und nun bin ich auf Malta – vorgestern war erster Schultag. Schultüte gab’s keine. Dafür bin ich wohl schon zu alt,  das machte mir auch meine schulische Umgebung klar, ein Haufen gackernder, flott gestylter Backfische. Seriöser wirkende, aber ebenfalls sehr junge Herrschaften outeten sich als Lehrkräfte. Vor mir pflanzte sich ein groß gewachsener, junger Mann auf: „Hi, I am Ray, your teacher!“ Na bestens – ich fühlte mich wie die Oma auf einer Teenie-Party!


Tun oder machen – do or make?

 

Doch Ray erweist sich als Goldschatz: Das junge Bürscherl, gebürtiger Australier, hat eine erstaunliche Vergangenheit hinter sich – er war Geschäftsführer der größten Supermarktkette Maltas, unterrichtete Marketing und Management und jetzt am liebsten Business English one to one. Und so startet er gleich mit Lektion eins, der richtigen Verwendung von „make“ und „do“, laut Ray ein Quell häufiger Fehler.

 

Nach kurzer Erklärung – „You do an activity, but you make a product“ – und einigen Beispielen legt er ein Arbeitsblatt vor und lässt mich allein werken. Mir raucht der Kopf: To do or to make a deal? To do or to make a discovery? 40 Begriffe zum Zuordnen – aber null Ahnung! Nach nur 40 Minuten bin ich beinahe am Ende meiner Kraft. Nach dem heftigen Auftakt geht Ray in lockeren Plauderton über,  ohne es aber an Inhalten mangeln zu lassen. Wir wandern in unterhaltsamer Konversation gewissenhaft durch meine Fehlersammlung. Das ist kein hochnotpeinlicher Schulunterricht mit erhobenem Zeigefinger, sondern einfach nett und kurzweilig. Ich bin völlig überrascht, als es schon Mittag ist und ich ins Malta-Besichtigungsprogramm entlassen werde. Natürlich entscheide ich mich für die englischsprachigen Sightseeing-Touren – nur so erzielt man den größtmöglichen Lernfortschritt: völlig in die fremde Sprache eintauchen und die eigene für eine Weile möglichst vergessen.

 

Warum zieht es immer mehr erwachsene Englisch-Sprachschüler gerade nach Malta, einer Insel, die zwar 150 Jahre englische Kronkolonie war, deren Bevölkerung aber Malti spricht, ein bellendes Kauderwelsch aus Italienisch und Arabisch mit zahlreichen englischen und französischen Lehnwörtern? Kinder auf Malta wachsen zweisprachig auf – die Malteser sprechen daher zwar ein perfektes, aber doch etwas eigenwillig gefärbtes Englisch. Gerade dieser etwas harte Dialekt wird von Sprachschülern jedoch sehr gut verstanden. 41 Sprachschulen gibt es auf der Insel, alle mit völlig unterschiedlicher Atmosphäre: von Cluburlaub-Feeling mit Open- Air-Unterricht am Pool bis hin zu purem Business-Touch. Sprachlehrer auf Malta sind hoch qualifiziert, der Staat überwacht die Schulen, vergibt die Lizenzen und achtet streng auf Qualität.

 

Doch die Sonneninsel hat noch weitere Vorteile: Das Klima ist rund ums Jahr mild, warm und trocken. Den Hochsommer sollten erwachsene Sprachschüler allerdings meiden: Dann ist es brütend heiß und die kleine Insel quillt wegen Scharen lernfreudiger Kids aus den Fugen. Weiters sind, gerade in Zeiten eines extrem billigen britischen Pfunds, die Preise sehr günstig. Und last but not least bietet Malta tolle Freizeitmöglichkeiten: baden fast rund ums Jahr, ein spannendes Nachtleben, vor allem im Raum Sliema und St. Julian’s, sowie kurze Wege – wo auch immer man zum Sightseeing hin möchte. Malta und das noch kleinere Nachbareiland Gozo warten mit überraschend vielfältigen Reizen auf – allesamt willkommene Zutaten für einen gelungenen Sprachurlaub.

Quelle: von Claudia Jörg-Brosche (Die Presse) Link

 

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