Nach dem Austauschjahr nach Hause kommen

Ganz schön schwierig, sich nach einem Jahr im Ausland zu Hause wieder zurechtzufinden.


Schülerin Sylvana kam aus Japan und schmollte tagelang, Friedrich aß stets Weißbrot wie in Frankreich, und US-Rückkehrerin Leonie ging gleich ins Internat - drei Geschichten vom Heimkommen.

Leonie, 17, zurück aus den USA: Danke, ich bin gut  "Im Flugzeug von New York zurück nach Deutschland wurde ich von einer Stewardess gefragt, ob ich einen Orangensaft trinken möchte. 'Nein, danke, ich bin gut!', rief ich und erntete einen verwirrten Blick. Weil ich ein ganzes Jahr nur Englisch gesprochen habe, hatte ich noch das englische 'Thanks, I'm fine' im Kopf.

Solche Fehler passierten mir in den ersten Wochen in Deutschland ständig. Außerdem habe ich mir neue Redewendungen angewöhnt. Meine amerikanischen Freunde sagten zum Beispiel häufig: 'What the heck!', auf Deutsch: 'Was zum Teufel!' Ich fluche jetzt ständig zum Teufel, das habe ich vor den USA nicht gemacht.

 

Die deutschen Häuserfassaden kommen mir nackt vor. In den USA schmücken die Leute ihre Häuser mit USA-Flaggen und stellen sich blaurote Schilder für Barack Obama in den Vorgarten. Solche Schilder gibt es dort in jedem Supermarkt. Ich muss mich daran gewöhnen, dass die Deutschen nicht so politikbegeistert sind.

Außerdem sind sie weniger gesprächig. Ich werde nun nicht mehr im Laden von wildfremden Leuten angesprochen und gefragt, wie es mir geht. Dafür darf ich in Deutschland auch etwas anderes antworten als 'Danke, mir geht's sehr gut', wenn mich mal jemand nach meinem Befinden fragt.

Jobben für das Rückflugticket

Mir fehlt die amerikanische Spontaneität. Spontan Urlaub nehmen, um nach New York zu fahren - das war für meine Gasteltern normal. In Deutschland muss jede Aktivität tagelang im Voraus geplant werden.

Aber am meisten vermisse ich meine Gasteltern und Freunde. Ich hätte nie gedacht, dass man in nur einem Jahr so feste Freundschaften knüpfen kann. Als ich mich in Amerika von meinen Freundinnen Marie und Michaela verabschieden musste, haben wir alle geheult. Es ist furchtbar, nicht zu wissen, wann ich die beiden wiedersehen werde. Ich muss mir unbedingt einen Nebenjob besorgen, um mir für nächsten Sommer ein Rückflugticket leisten zu können.

 

Außerdem fehlt mir der amerikanische School Spirit. Nach meiner Ankunft in Deutschland war ich direkt wieder an meiner alten Schule, denn es waren noch zwei Wochen Zeit bis zu den Sommerferien. Die Stimmung ist ganz anders, man merkt, dass sich die Schüler nicht so sehr mit der Schule identifizieren wie in Amerika.

Nach den Ferien habe ich meine alte Schule verlassen, um ein International Baccalaureate auf dem Internat Louisenlund zu machen. In den USA bin ich auf die Idee gekommen, mich dort um ein Vollstipendium zu bewerben. Vorher habe ich nie über ein internationales Abi nachgedacht. Jetzt weiß ich, dass das genau das richtige für mich ist, weil ich nach meinem Jurastudium gern im Ausland arbeiten möchte."

 

Quelle: Spiegel.de (http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,614627,00.html)

 

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